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Die Ursprünge des Evangelischen Krankenhauses Witten gehen bis in das Jahr 1863 zurück, heute versorgt die Klinik jährlich rund 20.000 Patienten ambulant und stationär. Dafür stehen 302 Betten inklusive 15 Betten in der Geriatrischen Tagesklinik zur Verfügung. Um die Effizienz insbesondere in der täglichen Betreuung und Pflege der Patienten zu optimieren, setzt das Evangelische Krankenhaus Witten seit diesem Jahr auf den digitalen Visitenwagen der Firma LEAN aus Düsseldorf.
Ein wichtiger erster Schritt in Richtung Prozessoptimierung erfolgte bereits 2005 mit der Umstellung auf eine serverbasierte Thin-Client-Infrastruktur auf der Grundlage von Citrix-Technologie. „Mit der Einführung der Thin Clients wurde das medizinische Personal erstmals mit SmartCards ausgestattet und war damit in der Lage, von jedem Thin Client aus sicher auf seine persönlichen Daten und Dokumente zuzugreifen“, erinnert sich Jürgen Schwarze, Leitung Patientenverwaltung und EDV-Anwenderbetreuung beim EVK Witten. 2007 wurde dann flächendeckend ein WLAN installiert, das in der Folgezeit die drahtlose Datenübertragung ermöglichte. Auf der MEDICA 2007 informierte sich ein Team des EVK Witten erstmals zum Thema „digitaler Visitenwagen“. Von den zum damaligen Zeitpunkt angebotenen drei unterschiedlichen Systemen entschied sich das EVK Witten für die Lösung, die gemeinsam von den Firmen Optiplan (Wagen) und LEAN (IT-Technik) konzipiert und hergestellt wird. „Die ‚gefühlte Qualität’ des Visitenwagens und die Tatsache, dass wir bereits in der Vergangenheit mit Optiplan-Lösungen gute Erfahrungen gemacht hatten, erleichterten uns die Entscheidung“, bestätigt Jürgen Schwarze.
Im Frühjahr 2009 wurde dann ein erster Prototyp des digitalen Visitenwagens, bestehend aus 19 Zoll TFT-Bildschirm mit integriertem Thin Client, SmartCard-Leser und WLAN-Antenne, geliefert. Schnell zeigte sich, dass insbesondere beim Pflegepersonal doch einiges an Überzeugungsarbeit notwendig war, bis die neue Technik angenommen wurde. „Das Pflegepersonal verfügte zum Teil bisher über wenig bis keine EDV-Erfahrung und war es gewohnt, mit Papierdokumenten zu arbeiten“, erklärt Michael Capo, Stationsleiter im EVK Witten, die anfängliche Zurückhaltung. „Jeder Funkabriss, jeder Fehler in der Probephase untermauerten die Vorbehalte gegen das neue Arbeitsgerät“. Doch mittlerweile laufen die 19 digitalen Visitenwagen einwandfrei und so ist man auch auf Seiten des Pflegepersonals froh über die Arbeitserleichterung.
Und auch auf Seiten der Ärzteschaft ist man von der neuen Technologie begeistert. „Mit dem digitalen Visitenwagen sind wir erstmals in der Lage, das KIS direkt an das Krankenbett zu verlegen“, erklärt Dr. Mario Iasevoli, Chefarzt der Medizinischen Klinik am Evangelischen Krankenhaus Witten. „Auf Knopfdruck erhalte ich über das KIS einen Überblick über die Stationstopologie und den Belegungsplan. Ein weiterer Mausklick auf den Namen des Patienten, und ich kann seine kompletten, bisherigen Befunde einschließlich Röntgen- oder CT-Aufnahmen aufrufen. Ich habe Zugriff auf andere Krankenhaus-Applikationen und kann sogar während der Visite eine Internet-Recherche durchführen.“ Laboranforderungen können ebenfalls direkt vom Krankenbett aus erfolgen. Selbst der Ausdruck der Etiketten für die benötigten Monovetten erfolgt direkt vom digitalen Visitenwagen aus.
Das im Klinikumfeld besonders wichtige Thema Datenschutz und Datensicherheit wird über das neue System ebenfalls bestmöglich umgesetzt. „Durch das Sessionmanagement des Thin-Client-Systems und die personenbezogene Chipkarte ist ein Optimum an Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet“, erklärt IT-Experte Schwarze. „Sobald die SmartCard aus dem Lesegerät entfernt wird, ist das System ‚tot’ und kann von einem unbefugten Dritten nicht mehr bedient werden.“
Und die SmartCard bietet noch einen weiteren Vorteil in Bezug auf die Arbeitseffizienz. „Ich kann meine Arbeit am digitalen Visitenwagen mitten im angefangenen Dokument unterbrechen, zum Beispiel weil ich zu einem Patienten gerufen werde. Sobald ich die SmartCard wieder einstecke, kann ich an der Stelle weiterarbeiten, an der ich vor der Unterbrechung aufgehört habe“, erläutert Dr. Iasevoli. Dies gilt nicht nur für den digitalen Visitenwagen, sondern jeden Thin Client im Krankenhaus. Dr. Iasevoli: „Ich skizziere einen Befund kurz während der Visite am digitalen Visitenwagen und überarbeite ihn dann nach der Visite an meinem Arbeitsplatz im Arztzimmer.“ Und so wird der digitale Visitenwagen mittlerweile nicht nur für die Visite eingesetzt, sondern steht dem medizinischen Personal während der gesamten Arbeitszeit als vollwertiger mobiler Arbeitsplatz im Stationszimmer zur Verfügung.
„Wenn man so ein System einführt, darf man nicht davon ausgehen, dass man ein fertiges Auto kauft, sondern muss sich darüber im Klaren sein, dass Anpassungen notwendig sind“, blickt Chefarzt Dr. Iasevoli auf die bisherigen Erfahrungen beim Einsatz des digitalen Visitenwagens von LEAN und Optiplan zurück. „Die Vorteile bei der Effizienzsteigerung und der Vereinfachung der Arbeitsabläufe sind deutlich. Fehler bei der bisher handschriftlichen Dokumentation und Übertragung von Informationen und Daten werden minimiert, der Aufwand und die Dauer für tägliche Routinearbeiten reduziert. Über den Zeitraum seiner Krankenhausaufenthalte erhalten wir für jeden Patienten automatisch eine lückenlose Dokumentation seiner Anamnese und seines Behandlungsverlaufs.“ - „Die größte Herausforderung bestand darin, ein System zu entwickeln, das allen Anforderungen gerecht wurde. Dies bedeutete in der Testphase ein kontinuierliches Anpassen an die Gegebenheiten vor Ort“, bestätigt Wolfram Franke, der für das EVK Witten verantwortliche Systemadministrator.
Als nächster Schritt ist geplant, die Anwendung, mit der die den Patienten verschriebenen Medikamente verwaltet und automatisch „gestellt“ werden, in das KIS zu integrieren, so dass auch dieser Arbeitsablauf noch vom digitalen Visitenwagen aus angestoßen werden kann.
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